Interview mit Bezirksapostel Ehrich
Bezirksapostel Michael Ehrich beantwortete am 10. Juni die Fragen des Jugendtagsteams. Im Interview mit dem Leiter der Gebietskirche Süddeutschland sprachen die Jugendlichen über die bevorstehenden Jugendtage und die Jugendarbeit im Süden des Landes.
Jugendtagsteam: Die Vorbereitungen zu den Jugendtagen laufen auf Hochtouren. Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?
Bezirksapostel Michael Ehrich: Die innere Vorbereitung dauert ein paar Wochen. Ich beschäftige mich mit dem Geschehen und bin auch eingebunden in die organisatorischen Dinge, wenn es um Entscheidungen geht. Die intensive Vorbereitung auf den Gottesdienst beginnt für mich ein paar Tage vorher. Wenn ich dann am Donnerstagabend nach Hause komme, gut da spielt Deutschland, da werde ich mich wahrscheinlich nicht gleich auf den Gottesdienst vorbereiten, aber den Freitag werde ich dann schon dazu nutzen, ein Stück intensiver einzusteigen. Da beschäftige ich mich dann eingehend mit dem Wort und bitte den lieben Gott, er möge Gedanken geben die der Jugend helfen und sie erfreuen.
JTT: Das heißt, das Textwort steht dann am Donnerstag bzw. Freitag nach dem EM-Spiel fest?
Bezirksapostel: (lacht) Das Wort steht jetzt noch nicht ganz fest. Ich habe ein paar Gedanken im Herzen, aber es hat sich noch nicht ganz klar herauskristallisiert. Da bin ich im Moment noch am Beten. Ich hoffe, dass ich es morgen oder übermorgen schon weiß.
JTT: Wie suchen Sie ein Textwort aus?
Bezirksapostel: Normalerweise haben ja wir die Leitgedanken. Die Apostel bekommen auch vom Stammapostel das so genannte B-Rundschreiben, in dem der Stammapostel von seinen Gottesdiensten berichtet. Als Apostel und insbesondere als Bezirksapostel ist man immer wieder gefordert selbst ein Wort zu erbeten. Ich achte meist auf Impulse, die ich in meiner Seele wahrnehme. Man wird auf ein Wort gelenkt oder es bewegt sich ein Gedanke in der Seele bei dem man sagt: Mensch zu dem Gedanken würde auch dieses und jenes Wort passen. Oder man schlägt die heilige Schrift auf und liest und im Lesen merkt man: das ist jetzt das Wort, das der liebe Gott in die Gemeinde geben will.
JTT: Inwiefern sind Sie in die organisatorische Vorbereitung eingebunden?
Bezirksapostel: Ich habe Apostel Bauer beauftragt sich um das Thema „Jugend“ und auch der Organisation der Jugendtage anzunehmen. Er ist das Interface zu mir. Wenn irgendwelche Punkte kommen bei denen er meint, ich soll mal was dazu sagen, dann kommt er auf mich zu, wir stimmen wir uns ab und dann bin ich eigentlich wieder draußen. Ich habe mit den Vorbereitungen somit nicht viel zu tun. Ich bin sehr dankbar, dass viele Brüder und Schwestern da sind, die das ganz toll machen.
JTT: Die Jugendlichen haben viele Erwartungen an diesen Tag. Fragen, Sorgen, Wunsch nach Glaubensstärkung. Spürt man, dass da ganz besondere Erwartungen sind?
Bezirksapostel: Ja sicherlich. Ich denke auch an die eigene Jugendzeit wo man doch auch mit großen Erwartungen auf solche Tage zugegangen ist. Und nicht nur in der Jugendzeit auch später in den verschiedenen Amtsaufgaben. Jugendtage waren für mich immer etwas Herausragendes. Man hat sich schon im Vorfeld damit beschäftigt und man hatte bestimmte Erwartungen, entweder für sich selbst oder auch für anvertraute Geschwister. Insbesondere empfindet man das, wenn man dann in die Gemeinde/Halle hineinkommt.
JTT: Hat das auch Einfluss auf Ihre Vorbereitung zum Gottesdienst?
Bezirksapostel: Also Vorbereitung auf den Gottesdienst heißt für mich nicht, dass ich jetzt im Detail die Inhalte des Gottesdienstes festlege. Sicherlich kann ich nicht in die Kirche kommen und sagen, jetzt schau ich mal nach einem Textwort. Das Wort und ein paar Kerngedanken braucht man vorher. Aber ein großer Teil des Gottesdienstes wird von der Gemeinde gemacht. Ich habe schon oftmals in der Vorbereitung erlebt, dass sich ein Textwort in der Seele festgesetzt hatte und ich bestimmte Gedanken dazu hatte und wenn ich an den Altar getreten bin, dann sind die Gedanken weg gewesen und es kamen ganz andere. Das ist für mich das Element wo auch die Gemeinde den Gottesdienst macht. Es werden auch viele spontane Gedanken dann lebendig in der Seele. Das enthebt einen sicherlich nicht sich vorzubereiten.
JTT: Welche Erwartungen haben Sie selbst an diesen Tag?
Bezirksapostel: Ich freue mich auf die Begegnung mit den jungen Brüdern und Schwestern. Ich habe schon oft gesagt: Ich komme nicht in die Gemeinden um den Geschwistern zu predigen, sondern mich mit der Gemeinde unter das Wort zu stellen. Insofern habe auch ich die Erwartung, dass der liebe Gott mir Gedanken gibt, die ich in meinen Glaubensalltag mitnehmen kann.
JTT: Was wünschen Sie sich von den Jugendlichen im Hinblick auf den Jugendtag?
Bezirksapostel: Die Bereitschaft ihr Herz zu öffnen, die Bereitschaft im Wirken den lieben Gott zu erkennen und auch den festen Willen, den Jugendtag nicht nur als Event zu erleben. Es ist schön wenn man Begegnung hat und manches Spaßige, Lustige und Freudige erlebt. Aber es sollte der Wunsch da sein, den lieben Gott ganz persönlich zu erleben. Denn nur wenn ich mit konkreten Erwartungen in Hause Gottes komme kann der liebe Gott darauf reagieren. Es wäre sicher nicht ganz ideal, wenn ich in einer abwartenden Haltung in die Kirche gehen würde, so nach dem Motto: Mal hören, was der Vorsteher/Apostel/... heute zu sagen hat. Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen mit Erwartungen, mit Fragen, mit Wünschen und mit Bitten zum lieben Gott kommen.
JTT: Das Motto zum Jugendtag in Offenburg lautet: „Wer vertraut hat Zukunft“. Was verbinden Sie mit diesem Gedanken?
Bezirksapostel: Vertrauen heißt für mich, bereit sein sich in die Hand Gottes fallen zu lassen. Wir erleben immer wieder Augenblicke, in denen man nicht genau weiß, wie sich dieses und jenes entwickeln wird. Und sich da stets bewusst zu sein, dass ich Gottes Kind bin und mir die Zusage des Herrn Jesus gilt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Erde“, das heißt für mich Vertrauen zu haben. Dann kann man auch erleben, dass sich der liebe Gott dazu bekennt und in die Zukunft hineinführt. Dass er Türen öffnet, Glaubenserlebnisse und Gebetserhörungen schenkt und ich letztlich weiß: der liebe Gott ist mit mir. Und natürlich denkt man in dem Zusammenhang an die verheißene Wiederkunft des Herrn. Das ist ja die Zukunft schlechthin. Wobei einem das in der Jugend nicht immer ganz so klar ist. Man möchte manches erleben, man möchte auch noch dieses und jenes. Das ist alles ok – alles andere wäre nicht normal - aber darüber muss für einen selbst das Empfinden stehen, dass da noch mehr ist.
JTT: Es ist kein Geheimnis, dass ein gewisser Teilnehmerschwund vom Gottesdienst zur Stunde der Jugend festzustellen ist. Was kann dagegen getan werden?
Bezirksapostel: Der Schwund ist festzustellen. Das ist schade, aber mir ist es lieber wenn das die Stunde der Jugend betrifft, als den Gottesdienst. Denn der Gottesdienst ist wichtiger. Klar, es gibt manchmal die Situation, dass der ein oder andere aus welchen Gründen auch immer nicht am Nachmittag teilnehmen kann. Ein Programm so zu entwerfen, dass man wirklich jeden erreicht ist sicherlich schwierig. Ich habe nichts gegen Unterhaltung um ihrer selbst willen, aber vielleicht nicht an dem Platz. Wenn man vielleicht - das wäre zu teuer - die Rolling Stones für so einen Nachmittag gewinnen würde, dann wäre die Halle sicherlich zum Brechen voll aber es würde nicht den Anspruch erfüllen, den man eigentlich erreichen will. Aber wenn ein ansprechendes Programm angeboten wird, das lustig sein kann oder berührend ist und auch einen Glaubensbezug hat, den ich dann mit in meine Glaubenspraxis nehmen kann, dann glaube ich, ist die Voraussetzung geschaffen, dass man doch möglichst viele erreichen kann. Die Stunde der Jugend soll ein Event mit Glaubensbezug sein, im Bewusstsein, dass es eine kirchliche Veranstaltung ist.
JTT: Satan wird nichts unversucht lassen, um den Jugendlichen die Freude auf den Jugendtag zu nehmen. Haben Sie einen Tipp?
Bezirksapostel: Die Vorbereitung für den Bruder/die Schwester der an einem Gottesdienst oder Jugendtag teilnimmt ist für mich zum großen Teil darin zu sehen, dass man sich innerlich einstellt. Da braucht es eigentlich gar nicht so viel Äußeres dazu. Ich habe für mich einen Merksatz: Vorbereitung auf einen Gottesdienst ist für mich auch, um mich und dann in mir Ruhe zu schaffen. Und das gehört vielleicht auch in dieser Reihenfolge zusammen. Ich habe es schwieriger in einem Umfeld, das nicht ruhig ist, innere Ruhe zu erhalten. Vorbereitung heißt für mich nicht, dass man den ganzen Samstag mit todernster Miene und mit der Bibel unterm Arm rumlaufen muss. Vorbereiten heißt einfach, dass ich mich in die Lage versetze im Gottesdienst auch das aufzunehmen, was der liebe Gott mir gibt. Das ist sicherlich auch möglich, wenn direkt davor oder danach ein paar Klausuren zu schreiben sind und man lernen muss oder wenn man im Beruf tätig sein muss. Es gibt ja auch Schwestern und Brüder, die sind im Verkauf tätig und müssen da bis Samstagabend ran und kommen dann heim und am Sonntag geht’s in aller Frühe los. Aber ich glaube, wenn man den inneren Bezug zu dem Geschehnis herstellt und sich bewusst macht was es heißt „Gott dient mir“, dann ist damit auch ein guter Teil der inneren Vorbereitung verbunden.
JTT: In Offenburg sind erstmals auch Jugendliche aus einer anderen Gebietskirche eingeladen. Wird das in Zukunft öfter vorkommen?
Bezirksapostel: Das mit den Franzosen war eine spontane Idee. Ich habe irgendwann mal zu Bezirksapostel Schneider gesagt: „Habt ihr nicht Lust am Jugendtag teilzunehmen?“ Seine Antwort: „Ja, gerne.“ Und so kam das zustande. Es ist natürlich mit Frankreich ein bisschen einfacher insofern als Frankreich eine eigene Gebietskirche ist. Wenn man zum Beispiel Jugendliche aus Italien oder Spanien einladen wollte, wäre das ein wenig schwieriger, weil sie zur Gebietskirche Schweiz gehören. Also ich könnte es mir schon vorstellen, wenn man eine vernünftige Lösung findet, dass so etwas mal wieder gemacht wird. Aber ich kann noch nicht sagen ob und wenn ja, wer konkret.
JTT: Für Jugendliche gibt es außerhalb der Kirche viele Betätigungsfelder. Wie kann die Jugend für den Glauben und die Mitarbeit im Werk Gottes begeistert werden?
Bezirksapostel: Das ist ein sehr schwieriges Thema. Man muss in diesem Zusammenhang die Frage stellen: Warum glaube ich? Unsere Glaubensüberzeugung ist ja die, dass die neuapostolische Kirche das Werk Gottes zur Bereitung der Braut Christi ist. Jetzt muss ich mir auch die Frage stellen inwieweit das in mein irdisches Leben hinein greift? Ist das eine Floskel die schon 500x gehört hab und auswendig zitieren kann oder glaube ich das tatsächlich bewusst? Der Grundsatz im kirchlichen Handeln sollte ja eigentlich sein: Solo deo gloria (Alleine Gott die Ehre). Dass wir natürlich auch Menschen sind, die Ansprüche haben dieses und jenes zu tun ist klar. Die Frage ist inwieweit soll/kann die Kirche Anbieter sein? Wenn es einem vom eigentlichen kirchlichen Interesse völlig losgelösten Zweck dienen würde, würde ich ein Fragezeichen setzen. Wenn es dem Zweck dient die Gemeinschaft zu fördern, dann hat es schon eine Anbindung an den kirchlichen Auftrag. Die Kirche will ja auch kein Anbieter im freizeitlichen Bereich sein. Wenn wir Jugendfreizeiten veranstalten soll die Gemeinschaft gestärkt werden. Mit professionellen Freizeitanbieter wollen und können wir nicht konkurrieren. Wir müssen uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren. Und wenn man da das eine mit dem anderen sinnvoll verbinden kann, absolut, bin ich dafür. Wenn die Dinge eine Eigendynamik entwickeln, die vom eigentlichen Zweck völlig losgelöst ist muss man ein Fragezeichen setzen. In der Praxis sieht man auch hier und da, dass dadurch manchmal nicht unerhebliche Schwierigkeiten auftauchen. Da entstehen Spannungen in Gemeinden, in Bezirken und man muss aufpassen, dass die Dinge nicht in die falsche Richtung laufen.
JTT: Worauf legen Sie besonderen Wert im Hinblick auf die Jugendarbeit?
Bezirksapostel: Also zuerst einmal meine ich soll der Glaube Orientierung bieten. Man hat immer wieder mal Phasen wo Fragen auftauchen – in der Jugendzeit vielleicht besonders viele. Jugend schaut auch auf vorbildhaftes Handeln. Das soll sie in der Kirche finden. Darüber hinaus ist für mich Gemeinschaft wichtig. Dass man Verbindungen und Freundschaften hat, die einen im Glauben befestigen. Wenn der Glaube Orientierung bietet, wenn er dem Leben Sinn und Halt gibt, wenn man auch Brüder und Schwestern in der Gemeinde hat, die vorbildhaft handeln, die ihres Glaubens leben und wenn ich dann noch die Möglichkeit habe, mich einzubringen, dass es Spaß und Freude macht, dann ist das eine runde Sache. Die Auswahl der Jugendbetreuer ist natürlich ein wichtiger Punkt. Ich war selbst über viele Jahre Jugendpriester und ich denke ein Jugendbetreuer sollte einen guten Draht zur Jugend haben. Er muss ein Stück weit die Sprache der Jugend sprechen ohne sich anzubiedern. Ich möchte, dass in jeder Jugendgruppe eine junge Schwester/ein junger Bruder jemand finden kann bei dem man sagt: mit dem kann ich mich auch über seelsorgerische Fragen austauschen.
JTT: Wer wir Europameister?
Bezirksapostel: Deutschland!
JTT: Herzlichen Dank für das Interview.
Das Interview führten Christoph Nölke und Antje Schmidtke.
Fotos: Antje Schmidtke
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