Jugendtag in Reutlingen - Der Gottesdienst
Zu Beginn des Gottesdienstes, der gleichzeitig den Abschluss des kleinen Jugendtags 2010 bildet, singen die rund 1000 Gottesdienstteilnehmer das Lied „Welch ein Freund ist unser Jesus“ (Nr. 237). Als Grundlage für diesen Gottesdienst wählt Apostel Volker Kühnle, in Anlehnung an die Morgenveranstaltung, einen Teil aus Johannes 17, 10: „Und ich bin in ihnen verherrlicht“.
In seiner Predigt berichtet der Apostel, dass er während der Vorbereitung auf den Gottesdienst auf ein Wort im Sirach aufmerksam geworden ist. Im siebten Vers des 18. Kapitels heißt es: „Aber was ist der Mensch? Wozu taugt er?“ Auf die erste Frage haben Biologen, Mediziner und Philosophen sicherlich unterschiedliche Antworten, so der Apostel. Im Geistigen jedoch ist der Mensch eine von Gott erschaffene Kreatur, die das göttliche Wesen widerspiegeln soll. Die zweite Frage Sirachs hingegen ist deutlich schwieriger zu beantworten, denn das Handeln eines Menschen ist zwiespältig. Manchmal meint man es gut mit dem Nächsten, doch dieser fasst das Reden und Handeln unter Umständen ganz anders auf und fühlt sich vielleicht sogar angegriffen oder verletzt. Und in diesem unvolkommenen Menschen will sich Jesus und damit Gott offenbaren.
Da stellt sich die Frage: Wer oder was ist Gott? Als Mose diese Frage stellte bekam er zur Antwort: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mose 3, 14). Damit drückt Gott, der vollkommen ist und alles geschaffen hat, aus, dass er sich auf die Anforderungen der Menschen ganz individuell einstellen will. Diese Liebeserklärung Gottes soll in den Gläubigen den Wunsch erwecken, Gott zu gefallen – etwas „für Gott zu taugen“. Apostel Kühnle ermuntert die Jugendlichen sich in der Familie, in der Kirche(ngemeinde) und in der politischen Gemeinde aktiv zu beteiligen und aus dem Schattendasein zu treten.
Ein solches Verhalten verherrlicht das Wesen Gottes; das Spiegelbild Gottes wird immer deutlicher sichtbar. Jesus war in dieser Hinsicht ein großartiges Vorbild: Er hat nicht viele Worte gemacht sondern die Lehre praktiziert. Manchmal ist das Spiegelbild nicht klar zu sehen, so der Apostel weiter. In diesem Fall muss man sich mit dem Problem beschäftigen und um Klarheit ringen. Das geschieht in der Gemeinschaft, in der einer vom anderen lernen kann, und im Gespräch miteinander. Natürlich kann es dabei auch zu Spannungen kommen, doch „wenn es mal zu hitzig geworden ist, dann kühlt euch doch bei einem Eis wieder ab“ empfiehlt der Apostel den Gottesdienstteilnehmern.
In den sieben „Ich bin“-Worten, die am Morgen thematisiert wurden, sind Hinweise enthalten, wie Jesus verherrlicht werden kann.
Auf dem ersten Bild ist ein Embrio zu sehen, das über die Nabelschnur mit einem Brot verbunden ist. Übertragen auf das Geistige bedeutet dies, dass die Verbindung zum lebendigen Brot Gottes aufrecht erhalten werden muss. Um Jesus zu verherrlichen muss man sich die Frage stellen: Bin ich für den Nächsten ein lebendiges Brot, das den Anderen stärkt und aufbaut oder handelt es sich um einen „harten Brocken“, an dem sich der Gegenüber die Zähne ausbeißt.
Das zweite Bild zeigt einen Leuchtturm. Licht gibt Orientierung und Sicherheit. Soll Jesus verherrlicht werden, dann muss man prüfen: Lasse ich mein Licht leuchten lässt oder dunkle ich es ab und nehme damit billigend in Kauf, dass der Nächste zu Schaden kommt (Schadenfreude). Der Apostel ermahnt die Anwesenden, keine „Tranfunzel“ zu sein.
Auf dem nächsten Mosaik führt eine wacklige Hängebrücke mit einem gebrochenen Brett zu einer offenen Tür. Apostel Kühnle berichtet, dass sein Verstand und sein Wissen schon zu manchem Bruch in seinem Leben geführt hat. Im Sinne Jesu stellt sich bei diesem Bild die Frage: Bin ich großherzig oder kleinkariert? Habe ich eine offen Tür (ein offenes Ohr für jedermann oder bin ich verbissen und verbohrt in Vorstellungen und Vorbehalten anderen Menschen gegenüber?
Das vierte Bild zeigt einen Hirtenstab. Der Dienstleiter erinnert sich an seine Schulzeit, als die Lehrer noch mit Stecken bestraften. Wozu nutzt man den Stecken? Jesus hat nie geschlagen. Warum also sticheln und Dolchstoßlegenden erfinden? Neben dem Stab ist auf dem Kunstwerk auch ein Herz zu sehen, dessen Spitze auf ein abseits stehendes Schaf zeigt. Dieser Ausschnitt soll daran erinnern, dass sich die Jugendlichen um ihre Mitkonfirmanden kümmern, die aber leider nicht mehr die Gottesdienste besuchen.
Die Auferstehung ist mir nur drei Farben dargestellt: schwarz, rot und gelb. Der Apostel stellt fest, dass weniger als ein Drittel des Bildes aus schwarzen Stücken besteht und vergleicht diese Zusammensetzung mit dem natürlichen Leben. Warum sieht man so viel schwarz im Leben? Warum wird vor allem das Negative wahrgenommen? Jesus will verklärt werden und Freude schaffen. Volker Kühnle ermuntert die Gottesdienstteilnehmer sich mit den hellen Momenten des Lebens zu beschäftigen und nicht sich selbst aufzugeben.
Jesus ist Weg, Wahrheit und Leben – er steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Trotzdem hat er das Apostelamt gegeben, dessen Aufgabe es ist, den Weg gangbar zu machen und den Gläubigen nahe zu sein.
Das letzte Bild zeigt einen Weinstock. Am Morgen hatte ein junger „Weinkenner“ erklärt, dass die Reben beschnitten werden müssen um Frucht bringen zu können. Übertragen auf das Geistige muss man auch willens sein, Frucht zu bringen. Der Apostel wünscht sich, dass möglichst viele Jugendliche ihre Gaben einbringen. Im Besonderen spricht er die weiblichen Gottesdienstbesucher an und zeigt ihnen Tätigkeitsgebiete als Lehrkräfte, als Dirigentinnen und als Türhüterinnen auf. „In der Hand Gottes kannst du ein Segen sein, an dem Platz, wo Gott dich hingestellt hat.“
Im Anschluss an die Predigtbeiträge von Bischof Eberhard Koch, Bezirksevangelist Marco Faulenbach und Bezirksevangelist Christian Probst stimmt der Chor mit dem Lied „Be still for the presence of the Lord“ auf die Feier des heiligen Abendmahls ein.
Bildergalerie Gottesdienst
Bericht: Christoph Nölke
Fotos: David Schäfer
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